Veronika Heuner

Lange habe ich vor dieser Seite gesessen, Texte entworfen und wieder verworfen. Es ist sehr schwer, über sich selbst zu schreiben... Schlussendlich habe ich mich dazu entschieden, einen (leicht gekürzten) Artikel von Petra Herrmann zu veröffentlichen, der 2008 in der Pegasus erschienen ist.


Auf die Basis kommt es an

„Mein Ziel ist ein losgelassenes Pferd unter einem losgelassenen Reiter!“ Auf diesen kurzen Nenner bringt Veronika Heuner das Ziel ihres Unterrichts. „Dabei spielt es keine Rolle, auf welchem Niveau das Reiter-Pferde-Paar sich bewegt“, betont sie.

Veronika Heuner selbst ist reiterlich auf hohem Niveau unterwegs. Sie tummelt sich mit ihrem Lipizzaner-Wallach Siglavy Allegra – kurz und liebevoll genannt: Alibaba – allerdings nicht auf Turnierplätzen. „Das ist nicht ganz meine Welt“, gesteht die 29-jährige. Veronika Heuner ist vielmehr seit sieben Jahren regelmäßig als Reitschülerin bei Ruth Giffels zu Gast. „Bei ihr habe ich ein Gefühl dafür bekommen, wie Reiten sein kann und sein sollte: harmonisch und fein. Und auch die Art des Unterrichtens hat mich sehr angesprochen. Bei Ruth herrscht stets ein höflicher Umgangston und sie legt großen Wert auf eine korrekte Grundausbildung.“ Die korrekte Grundausbildung steht auch im Unterricht von Veronika Heuner an erster Stelle. „Erst wenn ein Reiter gut sitzt und korrekte Hilfen geben kann, fange ich an mit ihm an bestimmten Lektionen zu arbeiten. Vorher macht diese Arbeit überhaupt keinen Sinn“, ist sie sich sicher. Ihr ist es ein Gräuel, wenn sie sieht, wie ein Reiter seinem Pferd Seitengänge wie beispielsweise Schulterherein und Travers abverlangt, dabei aber schief und unausbalanciert sitzt. „So etwas kann nicht funktionieren. Das Ganze endet leider häufig in heillosem Rumgeziehe und sinnlosen Strafen“, bedauert sie. „Dabei lassen sich viele Lektionen recht schnell erarbeiten, wenn die Grundlagen bei Pferd und Reiter stimmen.“

Ihre Ausbildung absolvierte Veronika Heuner im Reitzentrum in Reken. „In Reken habe ich meine Grundschulzeit absolviert, mein Abitur habe ich dann bei Ruth Giffels gemacht“, blickt sie lächelnd auf ihre Ausbildungszeit zurück. „Dabei meine ich Grundschulzeit auf keinen Fall abwertend! Ich habe in Reken viel Basiswissen erworben, das ich auf keinen Fall missen möchte.“ Veronika Heuners Unterricht ist geprägt von Höflichkeit, Ideenreichtum und Gefühl. Sie legt großen Wert auf die Eigenverantwortung des Reiters. „Niemand kann wirklich Fortschritte machen, wenn er sich nur in den Reitstunden um korrektes Reiten bemüht, sich ansonsten jedoch wie ein Kartoffelsack durch die Gegend tragen lässt“, lautet ihre Meinung. So gibt es am Ende jeder Stunde eine Art Hausaufgabe. „Ich möchte dem Pferde-Reiter-Paar ein paar kleine Schritte aufzeigen, wie sie in ihrer Entwicklung und damit in der Lösung eines Problems vorankommen. Dabei beschränke ich mich auf kleine Schritte, die das Paar alleine in der nächsten Woche bewältigen kann. Lieber kleine Schritte und ein Erfolgserlebnis als ein großes Vorhaben, an das man sich gar nicht erst heranwagt oder an dem man gar scheitert“, so einer ihrer Grundsätze. Diese Aufgabe behält Veronika Heuner bis zur nächsten Stunde im Hinterkopf. Die Stunde beginnt mit der Frage: „Und, wie bist du zufrieden? Wie sieht es aus? Gibt es da noch Probleme?“ Veronika Heuner hat für jeden ihrer Schüler einen Plan im Kopf. Diesen stülpt sie aber niemandem über, sie ist auch stets offen für Wünsche und eigene Ideen ihrer Schüler. „Ich frage meine Schüler häufig: „Wie machst du das denn zu Hause?“ Die Lösungen, die meine Schüler finden sind oft gut, wenn auch unkonventionell. Aber Hauptsache, es funktioniert und fördert die Harmonie zwischen Reiter und Pferd. Ich bin durchaus bereit, konstruktive Ideen anzunehmen“, betont die Reitlehrerin.

Das Besondere von Veronika Heuner ist sicherlich ihr Blick fürs Detail. Keine noch so winzige Kleinigkeit entgeht ihrem Blick. „Manchmal liegt der Teufel im Detail. Kleine Dinge - große Wirkung“, weiß sie aus Erfahrung. Manche Schüler quälten sich jahrelang mit ihren „faulen“, unwillig vorangehenden Pferden. „Die Ursache hierfür liegt oftmals in einer unkonstanten Verbindung zwischen Hand und Pferdemaul. Durch das ständige Schlackern bekommt das Pferd permanent einen Ruck ins Maul und das Vorwärts geht verloren.“ Ihre Ratschläge kommen nie als negative Kritik bei ihren Reitschülern an. Höflich, ruhig und sachlich erläutert sie die Situation und gibt klare, verständliche Anweisungen zur Verbesserung. „Veronika entgeht nichts und sie kann supergut erklären. Sie spricht kein unverständliches Reiterlatein“, loben die Reitschüler ihre Lehrerin. Ihr gelingt es auf unbeschreibliche Art und Weise, „Dressurmuffel“ für Dressurstunden zu begeistern. Unter ihren Schülern sind einige eingefleischte Geländereiter, die „Kringelreiten“ zuvor langweilig und sinnlos fanden. „Hätte ich nie gedacht, dass ich daran einmal Freude habe“, gesteht Randi, die mit ihrem Norwegerwallach regelmäßig Unterricht bei Veronika Heuner nimmt und sich mittlerweile an den Kontergalopp und an alle Seitengänge – auch im Trab – wagt.

Eine weitere Besonderheit ist Veronika Heuners Händchen für schwierige Pferde. Ihr eigenes Pferd Alibaba war auch alles andere als einfach, wie sie die Problematik nett umschreibt. Der Lipizzaner war sehr hektisch und nervös, als er vor acht Jahren in Veronika Heuners Besitz wechselte. Sobald er unsicher wurde – und das wurde er anfangs bei jeder Kleinigkeit – stieg der Wallach, ging durch oder biss sich in die Brust. Ein halbes Jahr war die Amazone mit ihm zu Fuß unterwegs. „Wir sind viel spazieren gegangen, haben Boden- und Longenarbeit gemacht. Erst dann habe ich ganz langsam angefangen ihn wieder zu reiten. Ich bin heute noch dankbar für die Hilfe, die wir bei Ruth erfahren haben“, blickt die Pferdefrau zurück. „Auch heute noch wird Alibaba schnell hektisch, wenn wir uns an eine neue Übung wagen. Aber ich weiß damit umzugehen und kann ihn schnell wieder beruhigen.“ Die beiden sind demnächst auch im neuen Buch über das Barockreiten von Ruth Giffels zu sehen, das 2008 im Kosmos Verlag erscheinen wird. Die Erfahrungen mit dem eigenen Pferd haben Veronika Heuner für schwierige Pferde sensibilisiert. Sie hält nichts von Hau-Ruck-Methoden, setzt auch hier auf eine solide Grundausbildung, langsames Voranschreiten und die Suche nach individuellen Lösungen. „Es gibt bei Pferden und Reitern keine Universallösungen. Man muss immer genau auf die Individuen schauen und dann gucken, was passen könnte. Wenn die erste Lösung nicht hilft, dann muss man halt Lösung Nummer zwei, drei oder vier entwickeln“, weiß sie aus Erfahrung.

Veronika Heuners Leidenschaft ist zwar das Dressurreiten, doch sie unterrichtet auch Springen, geht mit ihren Schülern ins Gelände und widmet sich der Boden-, Longen- und klassischen Handarbeit. Unter ihren Schülern sind sowohl Anfänger als auch Reiter auf M-Niveau, Kinder und Erwachsene. Hauptsächlich ist Veronika Heuner mobil im Kreis Wesel unterwegs, für Wochenendkurse nimmt sie jedoch auch weitere Anfahrtswege in Kauf.